Bestimmungen zum Datenschutz gelesen und anerkannt.
 
InSoPro e.V.
VON MENSCHEN.
FÜR MENSCHEN.

Jugendhaus Alte Spinnerei

Projekt „Jugendhaus alte Spinnerei in Viscri Rumänien“

Qualifikation, Vernetzung, Unterstützung, Erfahrungstransfer und Vernetzung mit  Jugendlichen aus Lovnic sowie Einbindung von Jugendlichen mit Behinderung

Sachbericht 01.07.2016– 31.12.2016

Projektträger: Institut für Soziale Projekte e.V.

Kooperationspartner vor Ort: Asociatia Viscri incepe, “Bun venit –Willkommen! e.V.”, „Asociatia Salcamul Daisoara“

Neues Dach fürs Jugendhaus

Ausgangslage

Viscri, vor 800 Jahren als Deutsch Weißkirch von Siebenbürger Sachsen gegründet, liegt abseits der großen Straßen. Wegen seiner außergewöhnlichen Kirchenburg und des ursprünglich erhaltenen Dorfbildes wurde es 1999 in die UNESCO-Liste Weltkulturerbe aufgenommen. Seitdem besuchen Touristen aus aller Welt das Dorf. Natürlich bringen die Gäste Geld mit, dennoch hat sich für viele Familien im Dorf hat nichts geändert.

Die meisten der ca. 400 Einwohner im Dorf sind arm. Sie werden der Ethnie der Roma zugerechnet, auch wenn nur wenige sich dazu bekennen. Nur noch ca. 30-50 Rumänen, ein Dutzend Siebenbürger Sachsen leben im Dorf. Es gibt gerade mal eine Handvoll Arbeitsplätze mit Sozialversicherung. Viele verdienen als schlecht bezahlte Tagelöhner in der Landwirtschaft oder am Bau, aber nur dann wenn es Arbeit gibt, oder an der Milch von oft nur zwei, höchstens drei Kühen im Stall.

Eine große Lücke war im Ort Viscri die Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen. Ebenso fehlten Möglichkeiten des sozialen Lernens und Unterstützung bei der Berufswegeplanung.

Es gibt kein Kino, keine Disco, keinen Sportverein, nur die „Kneipe“, wodurch die Jugendlichen natürlich extrem alkoholgefährdet sind. Dadurch konnten sie kaum Interessen entwickeln. Auch für „Hobbies“ fehlten ihnen die Ideen und oft die Zeit; sie sind meist in den landwirtschaftlichen Höfen ihrer Eltern tätig.

Dank der Förderung durch die Baden- Württemberg Stiftung konnte seit Juli 2014 das Projekt „Jugendhaus alte Spinnerei“ entstehen, in welchem regelmäßig Jugendabende stattfinden, Fremdsprachenkurse organisiert und berufsvorbereitende Workshops angeboten werden. Die ca. 25 Jugendlichen zwischen 14 und 23 Jahren haben dank dieses Projektes ihr Land in verschiedenen Gegenden kennengelernt und dabei geübt, diese Ausflüge oder Tanzabende selbst zu organisieren. Sie trainieren Gesprächsführung und das Treffen von gemeinsamen Entscheidungen. Sie können nun größere Toleranz gegenüber den Ärmeren und Ausgegrenzten unter ihnen aufbringen. Sie organisieren ehrenamtlich Aktivitäten für die Kinder im Dorf.

Ziele des Projektes

Es zeigt sich, dass durch die natürliche dynamische Zusammensetzung einer Jugendgruppe immer diejenigen, welche schon viel Verantwortung übernahmen, nun ins Arbeits-oder Familienleben gehen und aus der Jugendarbeit ausscheiden. Daher bedarf es ständig einer pädagogischen Betreuung, um auch die neu hinzugekommenen jüngeren Jugendlichen zu integrieren und ihnen Gelegenheiten des Sozialen Lernens zu geben sowie sie zu Eigenverantwortlichkeit zu befähigen. Daher soll diese noch neue Jugendarbeit stabilisiert und gefestigt werden. Gleichzeitig sollen durch Einbeziehung und Vernetzung mit dem Verein „Bun venit -Willkommen! e.V.“, der seit 2015 mit Jugendlichen aus dem Dorf Lovnic arbeitet der Transfer der in Viscri bereits vorhandenen Erfahrungen ermöglicht werden und Übertragbarkeit des Konzeptes auf ähnliche Dörfer erprobt werden. Dazu sollen nun Jugendliche der Nachbargemeinde, aus dem Dorf Lovnic/Leblang, in einige der Aktivitäten im „Jugendhaus alte Spinnerei“ einbezogen werden. Viele dieser Jugendlichen kommen aus einem als „Ziganie“ bezeichneten Teil des Dorfs (etwa 14 Häuser), in dem Roma (davon 47 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren) unter ärmlichsten Verhältnissen leben.

Dazu als absolutes Novum in dieser Gegend und mit Seltenheitswert in der Jugendarbeit in Rumänien überhaupt sollen gemeinsame Aktivitäten mit Jugendlichen mit Behinderung stattfinden.  Integration und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Rumänien bisher kaum ein Thema. Vielen Menschen mit Behinderungen im ländlichen Raum in Rumänien fehlt es an nötigen Hilfsmitteln oder fachlicher Unterstützung im schwierigen Alltag. Ungefähr ein Drittel der Betroffenen sind nicht registriert. Gründe sind vor allem fehlende Informationen, keine Transportmöglichkeiten zum Amt, Armut und geringer Bildungsstand sowie die große Scham der Eltern. Es gibt keine Einrichtung im Umkreis von 65 km, in welcher Kinder mit Behinderung lernen könnten. Diese Kinder und Jugendlichen auf den Dörfern sind selten im Lebensumfeld integriert, sie wachsen oft isoliert und ohne Freunde auf.

Durch gemeinsame Aktionen von Jugendlichen aus Viscri, Lovnic und Jugendlichen mit Behinderung aus der näheren Umgebung soll eine Verbundenheit entstehen zwischen den Jugendlichen aus Viscri, denen aus Levnic und einigen Jugendlichen aus der Umgebung mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Ziel sind Kontakte zwischen den Jugendlichen, die nicht mehr von außen initiiert und begleitet werden müssen.

Durch enge Vernetzung und Zusammenarbeit der agierenden Vereine (Asociatia Viscri incepe, “Bun venit –Willkommen! e.V.”, „Asociatia Salcamul Daisoara“) sowie der Einbindung weiterer Gruppen und Vereine sollen Synergieeffekte geschaffen werden, die ein Fortbestehen der Jugendarbeit und der Teilhabe von Menschen mit Behinderung  ermöglichen.

Die Jugendlichen sollen durch Weiterbildungen so gefördert werden, dass sie in dieser Jugendarbeit selbstverantwortliche Tätigkeiten übernehmen und weiterhin regelmäßige Treffen organisieren. Sie sind dadurch gut auf Herausforderungen ihrer zukünftigen Ausbildung vorbereitet.

Die bereits bestehenden engen Kontakte zu Schülergruppen in Freiburg und St. Georgen die die laufenden Projekte in Viscri aktiv unterstützen, sowie zu unterschiedlichen Jugendhilfeeinrichtungen und Jugendzentren sollen weiter ausgebaut werden. Neue und bereits bestehende Kontakte zu Behinderteneinrichtungen -und Begegnungsstätten in Deutschland sollen geknüpft, bzw. vertieft werden, mit dem Ziel, durch Erfahrungsaustausch und Begegnungen Synergieeffekte für das Projekt in Rumänien zu ermöglichen, Vorurteile abzubauen und in Deutschland ein breites Unterstützernetzwerk für das Projekt in Viscri aufzubauen.

Projektverlauf

01.07.2016 – 31.12.2016

Die Angebote der Offenen Jugendarbeit werden weiterhin sehr gerne von den Jugendlichen angenommen. Sie nutzen diese Abende zum unterhalten, Spielen oder Filmschauen. Es nehmen in der Regel zwischen 8 und 16 Jugendlichen teil. Die Jugendlichen, welche die monatliche Kindergruppe organisieren, müssen noch erinnert werden, planen dann aber selbstständig die Aktivitäten und führen sie meist allein durch. Sie sind in der Lage, diese auch auszuwerten und zu verbessern. Es gab ein Halloweenfest und eine Weihnachtsfeier, bei welchen die Ideen der Jugendlichen gut umgesetzt wurden und die Kinder große Freude hatten.

Nachdem es in der Sommerausfahrt nach Deutschland erhebliche Probleme mit der Disziplin gab, wurde mit den Jugendlichen aus Viscri ein neuer Ausflug in den Kurort Sovata im Oktober geplant und durchgeführt

Bis auf kleine Unstimmigkeiten war es ein sehr gelungener Ausflug, in welchem die beiden Jugendlichen Nelut (24) und Andrada (22) wieder als Gruppenleiter unterstützten. Die 20 Jugendlichen genossen diesen Ausflug in der eigenen Gruppe sehr. Es half ihnen, bestehende Konflikte zu lösen. Vor allem ein ausgeschlossener Jugendlicher, Costel, der ganz neu dazu kam und die Schule zeitig abgebrochen hat, wurde durch dieses Wochenende ein Teil der Gruppe. Die Jugendlichen organisierten wieder viele Dinge selbst, wie z.B. die Einkäufe und den Ausflug in die Schwimmhalle mit Mittagessen. Dies zeigt, dass sie selbstständig planen können.

Ein weiterer gelungener Ausflug mit 16 Jugendlichen war die Tagesfahrt auf den Weihnachtsmarkt von Hermannstadt / Sibiu. Es war ein komplett fetziger Tag mit vielen neuen Eindrücken und auch einem Kinobesuch!

Die organisatorischen Vorbereitungen für das Jugendprojekt wurden gemeinsam mit den Vorsitzenden der Partnervereine durchgeführt, wie z.B. Absprachen zu den Seminaren.

Die Jugendlichen, welche vom Verein „Bun venit! Willkommen e.V“ betreut werden, sollen an den ab März geplanten Fortbildungen teilnehmen. Dabei lernen sich die Jugendlichen untereinander schon kennen und danach folgen gemeinsame Fussballspiele. Die Organisatoren der Selbsthilfegruppe „Salcamul Daisoara“ haben in zwei Treffen und einem Seminar die Jugendlichen aus Viscri auf ihre Weihnachtsaktion mit behinderten Jugendlichen vorbereitet und sind auch am kommenden Samstag Referenten für das nächste Seminar. Es wurden auch über die bestehenden Ängste der Jugendliche im ungewohnten Umgang mit Menschen mit Behinderung gesprochen. Die Vertreter der Selbsthilfegruppe können durch ihre eigenen Erfahrungen sehr authentisch Wissen vermitteln.

Die Jugendlichen aus Viscri waren eingeladen, an dieser freiwilligen  Geschenkaktion teilzunehmen. 17 Jugendliche übten vier Wochen lang jeden Samstag Weihnachtslieder mit ihrer Jugendleiterin und einer Musiklehrerin, bastelten selbst kleine Überraschungen für die Jugendlichen, welche sie besuchen wollten. An einem sehr kalten Dezembertag erhielten wir die Weihnachtspakete für Schule, Hausaufgabenhilfe und diese Geschenkaktion. 3 Jugendliche halfen beim Transport und ordnen der Pakete. Am 24.12. war es dann soweit: Mit 2 Mädchen besuchte die Jugendleiterin 7 ältere Witwen in Viscri und überraschten sie mit einem Paket. Danach fuhren  18 Leute mit 3 Autos und den Vertretern der Selbsthilfegruppe in 8 Dörfer der Umgebung zu Menschen mit Behinderung, welche sicher selten so eine große Gruppe zum Weihnachtssingen im Haus hatten.  Gabi ( 15), Emanuel (17), Florin ( 38) und Marius( 45), Sunita ( 29), Leana ( 37),Ionut ( 12), Ovidiu ( 16), Nelut ( 22) und Ionut ( 19) waren sehr überrascht und glücklich über diesen unangekündigten Weihnachts-Besuch. Manchmal erschraken sie über die vielen fremden Leute, als sie allerdings dann das Singen hörten, verschwand die Furcht! Sie waren ehemalige Klienten der Jugendleiterin. Einige der Familien sind offen für weitere gemeinsame Aktivitäten mit den Jugendlichen. In der Auswertung zeigten sich die Jugendlichen zufrieden, sie meinten aber auch, noch viele Hemmungen zu haben.

Die angebotenen Kurse für Deutsch und Englisch werden von ca. 3-8 Jugendlichen wahrgenommen. Beeindruckt sind sie von den Englisch Workshops mit Mr. Chris Smeeton, der es schafft, sie aus ihrer verlegenen Haltung zum Reden zu bringen! Leider begreifen die meisten von ihnen noch nicht, wie wichtig es ist, mindestens eine Fremdsprache zu sprechen und wie wertvoll diese Angebote sind.

Die Laptops sind bestellt, die ersten Termine stehen, die EDV Workshops beginnen im März! Zwei Jugendliche haben viele Kenntnisse, sie können dabei den anderen helfen. Die meisten können kein Word und oder Excel bedienen.

Für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit sorgte die große Fotoausstellung im Jugendhaus.

Dort wurden die Fotos der Ausflüge und Jugendarbeit von den Jugendlichen präsentiert und die Stiftung benannt. Alle 90 Mitglieder des Vereines und alle anderen Teilnehmer anderer Veranstaltungen im Vereinshaus sehen diese Präsentation.

Unsere Jugendlichen sind Projektpartner im europäischen Friedensprojekt VOCE 2014-2018 anlässlich 100 Jahre seit dem 1. Weltkrieg und sind im Mai nach Peronne, Frankreich eingeladen. Ebenfalls soll im August ein 4 Ländertreffen in Viscri stattfinden, welches Streetdance als verbindendes Element zwischen allen Nationen wählt. Dafür beginnen ab März intensive Vorbereitungen incl. Französisch-Unterricht.

Die Kontakte mit „Insopro e.V.“ Stegen erfolgen telefonisch und zeitnah nach jedem Ausflug und Seminar.

InsoPro unterstützt die Vernetzung des kleinen rumänischen Vereines mit anderen Initiativen durch viele bestehende Kontakte und verhilft so zu regem Austausch und zukünftigen Jugendbegegnungen. Perspektivisch sollen Begegnungen auch mit Menschen mit Behinderung aus Deutschland organisiert werden. Hierzu wurden Kontakte zu verschiedenen Behindertengruppen aufgebaut. So entstand unter anderem eine Kooperation mit dem „Verein Starkmacher e.V.“ in Mannheim und 2017 ist das Jugendhaus Kooperationspartner bei dem Projekt „lets Bridge“, an dem dann auch interessierte Jugendliche aus Viscri teilnehmen können.

Erste konkrete Planungen für eine Begegnung mit Behindertengruppen aus Deutschland sind in Arbeit.

Bericht verfasst von Tina Bing und Gabriele Gottschall

Stegen und Viscri, den 27.02.2017

 

Meldungen zum Jugendhaus Projekt

„Torcatorie“
Jugendbegegnungsstätte im Dorf Viscri/ Rumänien

Damit die Jugendlichen des Dorfes Viscri gut ausgebildet in ihrem Land Leben und arbeiten können, weil Rumänien diese Jugend braucht!

Jugendhaus
Alte Spinnerei

Eine große Lücke ist im Ort Viscri die Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen.
Es gibt kein Kino, keine Disco, keinen Sportverein, nur die Kneipe. In einem nächsten Schritt soll daher ein Jugendhaus entstehen.

Geplant sind im Jugendhaus "Torcatorie" gemeinsame Aktivitäten, wie z.B. Ausflüge in die Berge, Fußballturniere, Tischtennis und Volleyball.

Gruppen zum Erwerb von Deutsch- und Englischkenntnissen, Gruppen zum Erlernen von EDV Grundlagen, Hilfe bei der Arbeitsplatz/ Ausbildungsplatzsuche und beim Erstellen von Bewerbungen Darüber eine Vernetzung mit Jugendgruppen/ Vereinen in der Umgebung entstehen, um so Begegnungen und Austausch auch mit Jugendlichen außerhalb des Ortes möglich zu machen. Insbesondere sollen Kontakte zu Jugendgruppen und Vereinen aus anderen Ländern interkulturellen Austausch ermöglichen und Synergieeffekte schaffen.

Als Jugendhaus steht die „Alte Spinnerei“ (Torcatorie) des Vereines „Viscri incepe“ zur Verfügung, das von den Jugendlichen im Ort renoviert und umgebaut werden soll.

Es gibt viel zu tun!!

Es gibt noch viel zu tun und wir brauchen viele Helfer, die sich mit persönlichem, oder finanziellem Engagement am Aufbau des Jugendhauses „Alte Spinnerei“ beteiligen.
Die Baden-Württemberg Stiftung unterstützt das Projekt im Rahmen des Programms: "Perspektive Donau: Bildung, Kultur und Zivilgesellschaft".

Spendenkonto:

Spendenkonto: Sparkasse Hochschwarzwald Institut für Soziale Projekte e.V.
IBAN: DE94680510040004520672
BIC: SOLADES1HSW
Verwendungszweck: Jugendhaus Alte Spinnerei